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JULIA CHRISTE

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EINFÜHRUNG

WHITE SANDS BEACH Soweit das Auge reicht Dass das Klima zusehends verrückt spielt, macht sich inzwischen auch in der Wüste bemerkbar, und so trägt das neue, und vielleicht letzte Kapitel von Julia Christes „White Sands“ den Titel „White Sands Beach“. Massive Regenfälle haben im Herbst 2006 die spektakulären Dünen in eine Seenplatte verwandelt, und Christe machte sich auf den Weg, in diese neue Landschaft vorzudringen, soweit, dass sie die Mehrheit der Besucher des Nationalparks hinter sich lassen konnte. „Wo der Amerikaner nicht hinfahren kann, da ist er nicht“, sagte ihr die Erfahrung. In diesem Sinne wählte sie die Locations für die aktuellen Aufnahmen, die, komplett inszeniert, zufällige Passanten von vorneherein ausschließen. Die Spannung der Bilder, die in diesen unwiderstehlichen Naturkulissen entstanden, lebt vom Zusammenprall einer präzisen Konzeption, die die Fotografin vorab ausarbeitete, mit der Überraschung, die sie vor Ort erwartete. Diesmal hat Julia Christe bei den Aufnahmen nicht auf den Zufall vertraut, nicht nur auf Passanten gewartet, sondern ihre Protagonisten teilweise selbst mitgebracht und vor Ort mit eigenwilligen Accessoires ausgestattet. Die fotografischen Ergebnisse bergen mal untergründige, mal offensive Komik, die mit Laufsteg-Assoziationen, kleinbürgerlicher Pool-Idylle und surrealen Gaukeleien aufwartet. Die ungeklärte Frage, wie die unzähligen Kaulquappen in die neu entstandenen Gewässer von White Sands gelangten, beschäftigte nicht nur die Biologen, auch Julia Christe scheint sie in ihre skurrile Bildsprache übertragen zu haben: Die Gegenwart der Oktoberfest-Schuhplattlerkapelle aus Garmisch-Partenkirchen bleibt ein ebenso großes Rätsel wie die Herkunft der laichenden Frösche. Auch wenn die humoristische Note weitaus stärker ausgeprägt ist als in den früheren Kapiteln von White Sands, so macht die unverwechselbare Handschrift der Fotografin Julia Christe die Arbeiten erneut zu einem besonderen ästhetischen Genuss. Ihr Purismus ist betörend und die verlorenen menschlichen Gestalten werden in der Weite der ausschwingenden, monochromen Flächen – im wahrsten Sinne des Wortes – zu wohlgesetzten Pointen. Boris v. Brauchitsch MEETING POINTS Es ist immer viel Himmel, den Julia Christe in ihren Bildern unterbringt. Er gibt den strengen Quadraten eine unendliche Weite und Ruhe, die erst die Bühne für feine Ironie und unterschwellige Verstörung bereitet, mit der die makellosen Oberflächen raffiniert vor den Gefahren belangloser Glätte bewahrt werden. Und wer tritt da in diese perfekten Bühnenbilder? Was ist das für eine seltsame Gestalt mit Sombrero, die sich in die neuen Fotografien von Julia Christe einschleicht? Ob auf dem amerikanischen Festland, in Australien oder auf Hawaii, immer steht oder hockt da plötzlich dieses Wesen, das der ausladende Hut auf zwergenhafte Größe reduziert, inmitten grandioser Landschaft, als wolle es teilhaben am Naturerlebnis. Mal präsentiert es einen Fisch vor einer Chorus line von Pelikanen, mal hockt es auf einem verdorrten Baum, um über unseren eigenen Horizont hinaussehen zu können. Hinter der verschrobenen Figur verbirgt sich die ständige Begleiterin der Kamera, die Fotografin selbst, die sich under cover das nicht selten groteske Verhältnis zwischen Mensch und Natur vornimmt. In einer Variation zu ihrer Serie „White Sands“, in der die Menschen im amerikanischen Vergnügungs-Eldorado auf dem Weg ins Licht – in die Zukunft? – als periphere Erscheinungen irgendwann verschwinden, hat Julia Christe nun den Menschen als kleines, penetrantes Wesen wie von einem anderen Stern inszeniert, sympathisch, aber auch ein wenig nervend: Eine Fehlplanung der Natur? Vielleicht. In jedem Fall aber ein Running gag der Weltgeschichte.